Erkrankungen des Mittelohrs

Von Mittelohrentzündungen hat sicher jeder schon mal gehört. Doch es gibt auch noch andere Erkrankungen. Meist müssen sie vom Arzt behandelt werden, manchmal hilft auch eine Selbstbehandlung mit rezeptfreien Arzneien.

Riss des Trommelfells

Das Mittelohr liegt zwischen Trommelfell und Innenohr. Es besteht aus der Paukenhöhle, in der sich die Gehörknöchelchen befinden, und der Ohrtrompete, auch Eustachische Röhre genannt. Sie verbindet das Mittelohr mit dem Mund- und Rachenraum.

Durch einen Schlag auf das Ohr, aber auch durch Wattestäbchen, kann das Trommelfell verletzt werden. Eine weitere Gefahr sind unsachgemäße Versuche, Fremdkörper aus dem Ohr zu entfernen (z.B. bei kleinen Kindern) - daher mit Fremdkörpern im Ohr immer zum Arzt gehen.

Der Riss führt zu stechenden Schmerzen im Ohr. Da das Trommelfell für die Leitung des Schalls in das Mittelohr zuständig ist, verschlechtert sich das Hörvermögen bei einem Riss schlagartig.

Es muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Er wird, je nach Größe der Verletzung, einen Verband und gegebenenfalls auch eine Abdeckung (sogenannte Trommelfellschienung) anbringen. Dann heilt die Verletzung bald ab.

Jede Verletzung des Trommelfells öffnet das Mittelohr. Es besteht die Gefahr, dass Bakterien eindringen und eine Mittelohrentzündung auslösen. Deshalb werden oft vorbeugend Antibiotika gegeben.

So lange das Trommelfell nicht abgeheilt ist, darf keine Flüssigkeit ins Ohr gelangen, weder Ohrentropfen noch Wasser beim Duschen, Baden oder Haare waschen!

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Am häufigsten ist die akute Mittelohrentzündung. Dabei sind Bakterien z.B. im Rahmen einer Erkältung über die Eustachische Röhre ins Mittelohr eingewandert.

Die Entzündung löst stechende Schmerzen aus, die mit Fieber, verschlechtertem Hörvermögen sowie Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen einhergehen. Kleine Kinder fassen sich dann häufig ans Ohr.

Durch den zunehmenden Druck im Mittelohr kann das Trommelfell einreißen. Dadurch lässt der Schmerz schlagartig nach, und es tritt Ausfluss aus dem Ohr.

Jeder Verdacht auf Mittelohrentzündung muss ärztlich behandelt werden - und zwar möglichst schnell. Mit Antibiotika werden die Bakterien bekämpft, abschwellende Nasentropfen können die Belüftung des Innenohrs verbessern.

Ohrentropfen helfen dagegen nicht, weil sie nicht ins Mittelohr vordringen können. Die Schmerzen können mit Schmerzmitteln und/oder Wärmeanwendungen (Umschläge oder Rotlicht) gelindert werden. Während der Behandlung darf kein Wasser ins Ohr gelangen!

Bei rascher Behandlung bestehen gute Chancen, dass die akute Otitis media vollständig ausheilt. Es kann aber, vor allem bei verzögertem Behandlungsbeginn, auch zu einer chronischen Entzündung kommen, die im Extremfall eine Operation nötig macht.

Störende Schmalzpfropfen

Schmalzpfropfen sind streng genommen keine Mittelohr-Erkrankung, weil der Gehörgang noch zum Außenohr gerechnet wird. Doch eine unsachgemäße Behandlung kann schnell auch Trommelfell und Innenohr in Mitleidenschaft ziehen.

Der Gehörgang reinigt und pflegt sich selbst durch die Produktion von Ohrenschmalz (medizinisch: Cerumen). In seltenen Fällen ist die Cerumen-Produktion tatsächlich übermäßig stark, sodass der Gehörgang dadurch verstopft wird.

In aller Regel fließt das Ohrenschmalz aber von ganz alleine ab und wird bei äußerlichem Waschen entfernt. Die Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen ist - man kann es gar nicht oft genug sagen - überflüssig, ja sogar schädlich. Meist wird das Ohrenschmalz durch Wattestäbchen nur noch tiefer in den Gehörgang gedrückt, vielleicht sogar das Trommelfell beschädigt.

Die richtige Behandlung bei einer Verstopfung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz sind Ohrspülungen (nur bei intaktem Trommelfell anwenden!), die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

Sie werden in der Hand auf Körpertemperatur aufgewärmt und dann ins Ohr geträufelt. Dort weichen sie innerhalb von 5 - 30 Minuten (je nach Präparat) den Pfropf auf. Mit einer Ohrenspritze kann er anschließend ausgespült werden, wobei man aber darauf achten muss, dass man - insbesondere bei Kindern - nicht zu viel Druck gibt.